Für ein Wochenende: Moderne LINT fuhren nach Geesthacht

Am vergangenem Wochenende fuhr anlässlich des 800-jährigen Jubiläums der Stadt Geesthacht ein LINT 54 der AKN Eisenbahn AG zwischen Bergedorf, Geesthacht und Krümmel. Die Aktion, welche von den Geesthachter Ortsverbänden der NABU und des BUND organisiert wurde, sollte beweisen, dass ein moderner Nahverkehr über die Schiene möglich ist.

Ursprünglich begann die Strecke am Bergedorfer Bahnhof, heute beginnen Fahrten in Bergedorf Süd, jedoch besteht dort ein Gleisanschluss von und nach Hamburg. Von hier führt die etwa 14 Kilometer lange Strecke über die Haltepunkte Holtenklinke, Börnsen, Escheburg, Besenhorst und Düneberg bis zum Bahnhof Geesthacht.

 

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Hinter dem Bahnhof Geesthacht schließt sich die sogenannte Krümmelbahn an. Die 6,9 Kilometer lange Strecke führte ursprünglich zur Dynamit AG von Alfred Nobel. Heute bestehen Halte am Geesthachter Freizeitbad und in Krümmel für die Museumsbahn.

 

Während zur ersten Fahrt sich noch etwa dreißig Gegner auf dem Bahnsteig befanden, war es am Sonntagnachmittag nur noch eine Familie.

Während zur ersten Fahrt sich noch etwa dreißig Gegner auf dem Bahnsteig befanden, war es am Sonntagnachmittag nur noch eine Familie.

Doch die Aktion stieß auch auf Widerstand: Mehrere Anwohner protestierten am Börnsener Bahnhof gegen das Verkehrsmittel – sie protestierten gegen die Bahn, die direkt neben ihren Häusern verläuft. Dabei stand weniger eine dargestellte erhöhte Lärmemmission im Vordergrund, sondern die Sicherheit ihrer Kinder. Die Proteste gingen so weit, dass am Sonntagmorgen die Polizei eingreifen musste und die Durchführung der Fahrten gefährdet war.

 

Unfallstatistik 2009

Doch die Argumente der Gegner sind haltlos: Gegenüber dem Bus oder dem Auto ist die Bahn das sichere Verkehrsmittel – nur Fliegen ist sicherer. Auch ist eine S-Bahn leiser als der Bus oder das Auto, wie das Umweltamt Bayern untersucht hat. Aber nicht alle Anwohner Börnsens sind gegen die Schiene: Für viele wäre dies eine Verbesserung nachdem vor einigen Jahren ein Großteil des Busverkehrs weg von Börnsen und Escheburg auf die Autobahn verlagert wurde.

Doch auch die Befürworter der Schiene sind sich nicht einig: Zum einen gibt es das Modell einer „Überlandstraßenbahn“ von Geesthacht oder Krümmel zum Bergedorfer Bahnhof. Diese würde die Linie 8890 ersetzen und alle Dörfer entlang der Bahnstrecke anbinden. Dieser Überzeugung ist auch Martin Potthast, Sprecher der Fahrgastinitiative Hamburg.

Andere wiederum sind für eine schnelle Anbindung in einer Regionalbahn ähnlichen Form von Geestacht an Bergedorf und Hamburg mit alleinigem Halt in Geesthacht, Escheburg und Börnsen. Eine direkte Anbindung an den Hamburger Hauptbahnhof dürfte allein schon an den dort begrenzten Kapazitäten scheitern.

Für beide Varianten gilt jedoch: Es ist kein Geld da. Zwar wäre eine Reaktivierung der Strecke machbar, jedoch setzt die NAH.SH derzeit andere Prioritäten, beispielsweise die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke von Kiel zum Schönberger Strand. Und so müssen die Geesthachter weiterhin mit dem Bus in Richtung Hamburg fahren.

Nachtrag vom 06.07.2016:
Die nah.sh hat sich nun doch noch einmal überlegt, ob eine Reaktivierung der Strecke verkehrswirtschaftlich sinnvoll ist. In einem nun in Auftrag gegebenem Guthaben soll die erwartete Auslastung geprüft werden. Somit stehen die Chancen für eine Reaktivierung höher als vor der Fahrt, als man diese Trasse nicht für eine Reaktivierung in Betracht zog.

4 Kommentare

  1. was früher möglich war und auch für gut befunden, warum sollte dies jetzt nicht möglich sein. Ausserdem würde die B5 weniger belastet werden

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