Teil 2: Mit der Elektrischen durch die Hansestadt

Am 16. August 1866 fuhr die erste Straßenbahn durch Hamburg, damals noch mit Pferden betrieben. Am 1. Oktober 1978 nahmen die Hamburger Abschied von dem Verkehrsmittel. Auch wenn es danach immer wieder Versuche gab, die Straßenbahn wiederzubeleben, fährt heute keine „Elektrische“ mehr durch Hamburg. Dennoch möchten wir das Datum der Eröffnung nutzen, um in dieser Woche auf die 150-jährige Geschichte der Hamburger Straßenbahn zurückzublicken. In unserem heutigen Beitrag widmen wir uns der Zeit zwischen 1894 bis 1933.

Der Betrieb der Pferdebahnen wurde unwirtschaftlich: Ein Pferd kostete vom Unterhalt soviel, wie der Lohn eines Arbeiters. Schon früh suchte man deshalb nach Alternativen, beispielsweise kann man hier den Dampfbetrieb zwischen Hamburg und Wandsbek nennen. In den 1880ern testete man Akku-Wagen auf der Strecke nach Barmbek, doch auch diese arbeiteten unwirtschaftlich.

Als beste Lösung wurde der Fahrdraht angesehen, wenngleich sich anfangs viele Städte „eine derartige Verschandelung des Stadtbildes“ nicht vorstellen konnten. 1893 erfolgte die behördliche Genehmigung zur Elektrifizierung der Strecken nach Eimsbüttel, zum Schlump, in die Veddel und des Innenstadtrings, im Frühjahr 1894 konnte der elektrische Betrieb aufgenommen werden. Auch die Hamburg-Altonaer Pferdebahn wurde elektrifiziert und nannte sich seit der Elektrifizierung Hamburg-Altonaer-Centralbahn. Zum Jahresende 1898 waren die meisten Strecken auf den elektrischen Betrieb umgestellt, dennoch drehte die letzte Pferdebahn noch bis zum 27. Dezember 1922 in Wandsbek ihre Runden.

Ab 1900 erhielten alle Strecken eine Liniennummer, zuvor wurden diese nur über ihren Streckenverlauf definiert. Das machte das System deutlich verständlicher und man entschied sich, Linien durchzubinden. Auf Grund der Bauarbeiten des Hochbahn-Ringes mussten an mehreren Stellen die Straßenbahnen umgeleitet werden. Generell gab es Streitigkeiten zwischen der Hochbahn und der SEG, welche in der Hochbahn eine unliebsame Konkurrenz sah.

Die Straßenbahn am Großen Burstah um 1900, Urheber unbekannt

Die Straßenbahn am Großen Burstah um 1900, Urheber unbekannt

Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Konkurrenz war die Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn, der heutigen S11. Zwar kosteten die Fahrkarten genauso viel, doch die S-Bahn war mit einer Fahrzeit von 18 Minuten deutlich schneller als die Straßenbahn, welche 45 Minuten für die Strecke brauchte und gleichzeitig noch recht verspätungsanfällig war. Das Ende dieser Strecke war abzusehen, sie hielt sich aber noch bis 1921. Mit Eröffnung des Hochbahn-Ringes wurden einige Verstärkerlinien der Straßenbahn eingestellt und die Linie 20 verkehrte nur noch sonntags nachmittags bis Barmbek und endete sonst am Mundsburg.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges blieb auch für die Straßenbahn nicht folgenlos: Einige Verstärkerlinien wurden eingestellt oder verkürzt, die Linie nach Blankenese wurde vorübergehnd auf Grund von Kohlemangel eingestellt und viele Mitarbeiter der SEG mussten in den Krieg ziehen und es übernahmen Frauen ihre Aufgaben als Straßenbahnfahrer oder Schaffner. 1918 kam es auf Grund von Streiks bei Kohlearbeitern erneut zu einem Kohlemangel und der Betrieb musste auf weiteren Strecken eingeschränkt werden.

Mitten im Krieg fusionierten die Hamburger Hochbahn und die SEG, denn die Stadt wollte einen Verkehrsträger in der Stadt, bis Jahresende 1919 führte die SEG jedoch ihren Betrieb noch weiter. Wenige Jahre später übernahm die HHA auch die Hamburg-Altonaer-Centralbahn. Am 11. Juni 1922 wurde mit der Linie 8 zum Stadtpark die erste Straßenbahn nach Ende des zweiten Weltkrieges in Betrieb genommen. 1923 wurden in Zeiten schwächelnder Wirtschaft und in der galoppierenden Inflation einige Strecken eingestellt.

Die Rentenmark schaffte Besserung, ein Jahr später konnte ein Großteil der zuvor eingestellten Linien wiedereröffnet werden. Die darauf folgenden goldenen Zwanziger schafften der Straßenbahn neue Strecken nach Jüthorn, zum Volkspark und eine neue Querverbindung zwischen Barmbek und Rothenburgsort. Es folgten Streckenverlängerungen in Harburg, zur Trabrennbahn in Farmsen und nach Osterbrook.

In Folge der Wirtschaftskrise 1931 wurde wieder der Betrieb auf einigen Linien eingeschränkt oder sogar eingestellt. Dennoch konnte eine neue Strecke zur Horner Rennbahn eröffnet werden. Ab 1932 gab es erstmals von der HHA herausgegebene Fahrplanhefte für die Straßenbahn, vorher wurden diese nur in Zeitungen oder auf Linienkarten publiziert.

Morgen geht es in unserer Artikelreihe zum 150-jährigen Jubiläum der Straßenbahn um die Straßenbahn unterm Hakenkreuz, im 2. Weltkrieg und den Wiederaufbau. Lesen Sie alle Artikel der Reihe:

Teil 1: Mit der Pferdebahn durch Hamburg

Teil 2: Elektrisch durch die Hansestadt

Teil 3: Nationalsozialismus, Krieg und Wiederaufbau

Teil 4: Abbau und „die autofreundliche Stadt“

Teil 5: Planungen zur Wiedereinführung

Teil 6: Die Fahrzeuge der Straßenbahn

 

Titelbild:Die Straßenbahn am Schulterblatt im Jahre 1900, Urheber unbekannt.

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