Teil 4 – Abbau und „die autofreundliche Stadt“

Am 16. August 1866 fuhr die erste Straßenbahn durch Hamburg, damals noch mit Pferden betrieben. Am 1. Oktober 1978 nahmen die Hamburger Abschied von dem Verkehrsmittel. Auch wenn es danach immer wieder Versuche gab, die Straßenbahn wiederzubeleben, fährt heute keine „Elektrische“ mehr durch Hamburg. Dennoch möchten wir das Datum der Eröffnung nutzen, um in dieser Woche auf die 150-jährige Geschichte der Hamburger Straßenbahn zurückzublicken. In unserem heutigen Beitrag geht es um die Entwicklung der Straßenbahn nach dem Wiederaufbau bis zur Einstellung der letzten Linie im Jahr 1978.

1955 erreichte das Netz seine größte Ausdehnung, am 29. Oktober wurde mit der Linie 1 nach Lurup die letzte Neubau-Straßenbahn feierlich eröffnet. Im Sinne der autofreundlichen Stadt wollte man auf den Hauptverkehrsachsen die Straßenbahn durch die U-Bahn ersetzen, Erschließungsbahnen, wie die erst kurz zuvor eröffnete Straßenbahn nach Jenfeld sollten hingegen erhalten bleiben.

Zwei Triebwagen vom Typ V6 begegnen sich auf der Linie 14 in der Straße Landwehr nahe der Kreuzung mit der Wandsbeker Chaussee. - (cc) Voogd075
Zwei Triebwagen vom Typ V6 begegnen sich auf der Linie 14 in der Straße Landwehr nahe der Kreuzung mit der Wandsbeker Chaussee. – (cc) Voogd075

Anfangs wollte man die Straßenbahnen erst stilllegen, wenn der entsprechende Ersatz durch die Schnellbahn fertig gestellt worden war, später, etwa bei der Strecke nach Harburg, legte man die Strecken schon während des Baus der Schnellbahn still. Und zum Schluss wurden Linien ersetzt, sobald genügend Busse als Ersatz zur Verfügung standen.

Schließlich verblieben 1976 noch drei Linien: Die Linie 1, welche vom Rathausmarkt über Uhlenhorst zum Lattenkamp verkehrte, die Linie 2, welche Schnelsen mit der Veddel verband und die Linie 14, welche einen Halbring von der Veddel über Winterhude zum Grindelberg darstellte. Doch Stadt, Hochbahn und HVV waren sich einig, auch diese Linien durch Busse zu ersetzen.

Am 30. September 1978 endet die Ära der Straßenbahn in Hamburg. Mit einem Volksfest wurde die Linie 2, die als letzte Straßenbahn noch zwischen Rathausmarkt und Schnelsen verkehrte, verabschiedet. „Es kann sein, dass das ein Fehler ist.“, kommentierte der damalige Hamburger Bürgermeister Klose. Bereits am Nachmittag wurden die Schienen rausgerissen und seitdem fahren Busse auf dieser Linie.

Morgen geht es in unserer Artikelreihe zum 150-jährigen Jubiläum der Straßenbahn um verschiedene Pläne zur Wiedereinführung der Straßenbahn. Lesen Sie alle Artikel der Reihe:

Teil 1: Mit der Pferdebahn durch Hamburg

Teil 2: Elektrisch durch die Hansestadt

Teil 3: Nationalsozialismus, Krieg und Wiederaufbau

Teil 4: Abbau und „die autofreundliche Stadt“

Teil 5: Planungen zur Wiedereinführung

Teil 6: Die Fahrzeuge der Straßenbahn

 

Titelbild:Ein Straßenbahnwagen auf der Linie 2 am Rathausmarkt. – (cc) Norbirt 

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