Frage der Woche: Wie funktioniert der HVV-Tarif?

Edna K. aus Winterhude wundert sich über das Tarifsystem im Hamburger Verkehrsverbund, in dem sie für eine Fahrt nach Altona nur 1,50 €, jedoch für die kürzere Fahrt bis Dehnhaide mit 3,20 € mehr als das doppelte zahlen muss. In dieser Folge der Frage der Woche lüften wir das Geheimnis des HVV-Tarifes.

Das Grundgerüst des Tarifes bilden die fünf Ringe, dabei beschreiben die beiden inneren Ringe den Großbereich. Dieses System ist einfach und vor allem für längere Strecken sinnvoll. Diese Ringe sind jedoch in Wirklichkeit nicht so gezogen, wie sie auf dem vereinfachten Tarifplan stehen. Im Fall von Lauenburg hat dies historische Gründe: Bis zur Norderweiterung gab es nur drei Ringe und Lauenburg war auch damals schon im Hamburger Verkehrsverbund. Noch wirrer wurde das Ringsystem mit der Süderweiterung, in der die Lage im Ring nach den Zuschüssen der jeweiligen Kommune beurteilt wurde.

Der Tarifzonenplan schematisch dargestellt

Der Tarifzonenplan schematisch dargestellt

Damit man jedoch für eine kurze Fahrt zum Dorfladen nicht genauso viel zahlen muss, wie bei einer Fahrt quer durch den Ring, gibt es die Tarifzonen. Diese unterteilen die Ringe so, dass eine oder mehrere Gemeinden in einer Zone liegen. Auch Hamburg wurde so in verschiedene Tarifzonen aufgeteilt, innerhalb Hamburgs dienen diese jedoch nur für Zeitkartenbesitzer, denn in Hamburg gilt ein System, welches schon lange vor dem HVV eingeführt und im Laufe der Zeit immer weiter präzisiert wurde:


Die Zahlgrenzen

Innerhalb des Großbereiches gibt es nämlich die sogenannten Zahlgrenzen: Jede Linie ist in verschiedene Abschnitte eingeteilt. Mit einer Kurzstreckenkarte kann man innerhalb eines Abschnittes fahren und mit einer Karte für den Nahbereich innerhalb von zwei Abschnitten. Innerhalb des Schnellbahnnetzes wird es dann noch etwas komplizierter: Da Umsteigepunkte nicht immer Zahlgrenzen einer Linie sind, ergeben sich innerhalb des Schnellbahnnetzes Teilbereiche, in denen man fahren kann. Einen Übersichtsplan dieser Teilbereiche gibt es hier.

Die Tarifdeatils der U-Bahnlinie 4

Die Tarifdetails der U-Bahnlinie 4

Bei der Fahrt mit dem Bus ist es etwas einfacher: Hier gilt jedes Umsteigen als Zahlgrenze, so dass nur die Zahlgrenzen einer Linie betrachtet werden müssen. Auch beim Umstieg von der Schnellbahn auf den Bus oder umgekehrt zählt der Umstieg als Zahlgrenze. Ziel der Zahlgrenzen ist es, dass jeder Einwohner Hamburgs mit der Nahbereichskarte mindestens ein Nahversorgungszentrum erreichen kann.

Außerhalb von Ringen, Zonen und Zahlgrenzen gibt es außerdem die sogenannte „City-Karte“ für größere Gemeinden in der Umgebung von Hamburg. Diese ist günstiger als die „1-Zonen-Karte“ und ermöglicht es, günstig durch den Ort zu fahren. Derzeit gibt es für 16 Orte diese City-Karte.


Dieses System wird von vielen als zu kompliziert und vor allem als zu unfair betrachtet. So zahlt man beispielsweise für die gerade einmal zwei Kilometer kurze Strecke vom Biedermannplatz zur Uhlandstraße 3,20 €, jedoch für die über 15 Kilometer lange Strecke vom Kälbersteert zum Zollenspieker nur 1,50 €. Doch welche Alternativen gäbe es?

Eine Möglichkeit wäre es, wie beispielsweise in Berlin, nur die Ringe zu belassen. Dies wäre eine massive Vereinfachung des Systems, würde jedoch viele Fahrgäste abschrecken, den ÖPNV auf kurzen Strecken zu nutzen. Die Einrichtung von kleineren Zonen käme dem heutigen System gleich.

Im Programm NimmBus sind alle Tarifdetails einer Linie ersichtlich]

Im Programm NimmBus sind alle Tarifdetails einer Linie ersichtlich

Eine weitere Möglichkeit wäre die Bemessung nach der Fahrzeit, doch auch diese Alternative bietet Nachteile: Als Beispiel lässt sich die Strecke zwischen Bergedorf und Hauptbahnhof nennen: Hier würden noch mehr Pendler auf den dann auf Grund der schnelleren Fahrzeit günstigeren Regional-Express umsteigen, der in erster Linie für Fahrgäste aus Schwarzenbek, Büchen oder Schwerin gedacht ist.

Auch möglich wäre es, einen Kilometerpreis festzulegen. Allerdings fahren manche Linien, beispielsweise die Linie 256, zeitweise Schlaufenfahrten. Dann würden Fahrgäste auf manchen Fahrten mehr zahlen, als auf anderen. Auch eine Bepreisung nach Luftlinie hat einen Nachteil: Fahrgäste von Farmsen zum Jungfernstieg würden mit einer Karte nach Ohlsdorf weniger bezahlen, es wäre also auch unfair.

Zuletzt gäbe es die Möglichkeit, den Fahrpreis nach der Anzahl der Haltestellen zu bemessen. Jedoch käme man mit einer fiktiven Kurzstreckenkarte für zwei Haltestellen vom Hauptbahnhof aus mit dem RE8 bis nach Reinfeld und mit der MetroBus-Linie 5 nicht einmal zum Rathausmarkt. Würde man einzelne Haltestellen von der Zählung ausnehmen und andere fiktive bei langen Haltestellenabständen hinzufügen, so würde man wieder bei dem heutigem System landen.


In der Frage der Woche werden jede Woche Ihre Fragen rund um den Hamburger Nahverkehr beantwortet. Sie haben auch eine Frage? Dann schreiben Sie uns an hamburg@nahverkehraktuell.de oder hier in diesem Formular:

Titelbild: Viele Fahrkarten, komplizierter Tarif. Um den HVV-Tarif ging es in dieser Frage der Woche. © Roman Berlin

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