S21 nach Kaltenkirchen: Planung, Bau und Betrieb

In dieser Woche möchten wir Ihnen in einer Serie alle Informationen zur S21 nach Kaltenkirchen präsentieren. Heute geht es im letzten Teil der Serie um die Planung, den Bau und den Betrieb der Strecke im historischen Kontext und der zukünftigen S21 nach Kaltenkirchen.

Die Stammstrecke der AKN begann ursprünglich in Altona, doch ab 1962 wurde die S-Bahn in Richtung Pinneberg verlängert und die AKN schrittweise bis Eidelstedt zurückgezogen. Einerseits wurde damit ein einfacher Umstieg und damit eine schnellere Verbindung in die Hamburger Innenstadt geschaffen, andererseits wurde eben dieser Umstieg zunehmend zum Ärgernis, weil es immer wieder durch Verspätungen zu Anschlussverlusten kommt.

Außerdem wurde die Strecke durch langsame Fahrzeiten immer unattraktiver für den Fahrgastverkehr. Eine Ursache dafür war die Eingleisigkeit mit daraus resultierender Wartezeit an Ausweichgleisen. Darüber hinaus wurde die Strecke außerhalb der Hauptverkehrszeit noch bis in die 90er Jahre nur im 40-Minutentakt befahren. Doch kurz vor Ende des Jahrtausends begann man, viel in die Strecke zu investieren: In Eidelstedt wurde eine kreuzungsfreie Ausfädelung errichtet, die Haltestellen Eidelstedt-Zentrum (ehemals an anderer Stelle unter dem Namen Eidelstedt Ost), Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen wurden in den Trog gelegt und damit viele Bahnübergänge überflüssig gemacht und die Strecke wurde weitestgehend zweigleisig ausgebaut.

Doch ein Ärgernis blieb: Das Umsteigen in Eidelstedt. Darum wurden für einige Jahre viele Fahrten morgens und abends von Eidelstedt zum Hamburger Hauptbahnhof verlängert. Dies wurde durch den Umbau einiger Triebwagen zum Antrieb über eine Stromschiene umgebaut. Doch 2010 endete dieser Mischbetrieb: Die Besteller wollten die teuren Trassengebühren nicht mehr bezahlen und stattdessen den Fahrplan zwischen Eidelstedt und Kaltenkirchen ausweiten. Seitdem führt die AKN nur noch zwei Fahrten morgens eigen-wirtschaftlich durch.

Stattdessen geriet nun die S-Bahn nach Kaltenkirchen in den Vordergrund. Planungen für eine solche S-Bahn gibt es schon seit Jahrzehnten: Schließlich endet dort eine der in Entwicklungsachsen des unter Fritz Schumacher entwickelten Achsenkonzeptes. Als 2014 die SPD ein Schnellbahnkonzept vorstellte, war neben der U5 und weiteren Projekten auch die S21 nach Kaltenkirchen enthalten.

Gegen die Planungen hat sich die Bürgerinitiative Bahnstraße 2015 gegründet, welche um den Wert ihrer Grundstücke entlang der Strecke fürchtet: Hier soll die Strecke nämlich auch zusätzlich zweigleisig ausgebaut werden, um einen sicheren Betriebsablauf zu gewährleisten. Durch den zusätzlichen Bau von Lärmschutzwänden sind die Gärten der Bewohner nur noch unzureichend nutzbar. Insgesamt werden 200 Millionen Euro investiert.

Nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens soll 2018 mit dem Bau bzw. Umbau begonnen werden. Anwohner werden über Maßnahmen durch Postwurfsendungen und die Medien (durch Pressemitteilungen) über anfallende Maßnahmen informiert. Die Schließzeiten der Bahnübergänge verkürzen sich durch eine Einrichtung neuer Signaltechnik. Darum ist es nicht notwendig, beispielsweise den hochfrequentierten Bahnübergang Bahnstraße durch eine Unterführung zu ersetzen.

Wenn die S21 im Jahre 2020 ihren Betrieb aufnimmt, ändert sich am Fahrplan im Vergleich zum jetzigen A1-Betrieb kaum etwas: Nach Kaltenkirchen wird alle zwanzig Minuten gefahren, dieser Takt wird bis Quickborn in der Hauptverkehrszeit auf einen 10-Minutentakt ausgedehnt. Neu hingegen ist der geplante Stundentakt im Wochenendnachtverkehr. Auch wenn sich das Fahrplanangebot kaum ändert, steigt die Kapazität durch längere Züge deutlich. Die Elbgaustraße wird durch die S21 außerhalb der Hauptverkehrszeit nur noch alle zwanzig Minuten und in der Hauptverkehrszeit gar nicht mehr bedient. Dann fährt die neue Verstärkerlinie S32 von dort im Zehn-Minuten-Takt.

Das ist jedoch nur der Startfahrplan, welcher zukünftig verdichtet werden dürfte, wie beispielsweise bei der S-Bahn nach Stade, wo der Fahrplan in den letzten Jahren immer weiter verbessert wurde. Insgesamt ist auf der Kaltenkircher S-Bahn eine starke Fahrgastzunahme zu erwarten: Zwischen Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg liegt diese bei 21 %, zwischen Henstedt-Ulzburg und Ulzburg Süd bei nur 18 %. Zwischen Ulzburg Süd und Quickborn ist ein Anstieg der Fahrgastzahlen von 43 Prozent, zwischen Quickborn und Burgwedel von 48 Prozent zu erwarten. Die größte Erwartung liegt auf dem Hamburger Abschnitt (zwischen Burgwedel und Eidelstedt), hier soll sich die Fahrgastzahl fast verdoppeln.

Auch im Busnetz ändert sich mit der S21 nach Kaltenkirchen einiges: Die MetroBus-Linie 4 soll künftig nicht mehr bis zum Wildacker fahren, sondern an der S-Bahnhaltestelle Eidelstedt-Zentrum enden. Die Linie 183 wird umgeleitet und bedient zukünftig auch die neue Haltestelle Schnelsen Süd. Die Linie 185 wird statt über die Pinneberger Chaussee über den Baumacker geführt und die Linie 284 bedient die Haltestelle Hörgensweg.

Dies war der letzte Beitrag unserer Serie zur S21 nach Kaltenkirchen. Alle aktuellen Informationen zum Projekt finden Sie auf unserer Themenseite und alle Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens hier.

Titelbild: Visualisierung einer S21 nach Kaltenkirchen © Roman Berlin

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