Hamburger Verkehrsverbund: Die Zukunft ist digital

Gestern fand die Jahrespressekonferenz des Hamburger Verkehrsverbundes statt. Neben der Präsentation aktueller Fahrgastzahlen ging es auch um Projekte der Zukunft: Dazu gehören beispielsweise eine neue Dispositionsplattform und E-Ticketing.

Im vergangenem Jahr waren insgesamt 770,5 Millionen Fahrgäste im Hamburger Verkehrsverbund unterwegs, das sind rund 19,5 Millionen Fahrgäste mehr als noch 2015 – ein Zuwachs von 2,6 Prozent. Dem standen Fahrgeldeinnahmen in Höhe von 825,5 Millionen Euro gegenüber – 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch arbeiten die Verkehrsunternehmen keinen Gewinn, die Verluste werden durch Steuergelder gedeckelt. Besonders hoch waren die Zuwächse für Vollzeitkarten (+ 2,9 Prozent) und Semestertickets (+ 4,0 Prozent).

Insgesamt sind die Fahrgäste sehr zufrieden (Nahverkehr Aktuell berichtete): Mit einer Gesamtnote von 2,53 belegt der Hamburger Verkehrsverbund bundesweit den zweiten Platz. Profitiert hat die Bewertung vom voranschreitenden barrierefreien Ausbau.

Neu vorgestellt wurde die sogenannte Dispositionsplattform, eine Art weiterentwickeltes Anruf-Sammel-Taxi. In Gegenden wo, der ÖPNV recht wenig vertreten ist und die Fahrgastströme unberechenbar sind, beispielsweise auf dem Land oder in Industriegebieten, soll man künftig ein Fahrzeug an bestimmte Haltestellen per App bestellen können, welches dann zur nächsten Schnellbahnhaltestelle verkehrt. Das System berechnet dann die beste Verbindung, um viele Personen schnell zu befördern.

Schon im September 2018 soll das Projekt abgeschlossen sein, dann wird über eine Adaption auf weitere Gebiete überprüft. Im Testzeitraum wird die Dispositionsplattform im Herzogtum Lauenburg, in Billbrook und im Hamburger Hafen getestet. Um das Projekt optimal zu kommunizieren, wird eng mit den Unternehmen und Institutionen vor Ort zusammen gesarbeitet. Nach der Testphase könnten dann auch einzelne Buslinien ausgedünnt oder gestrichen werden.

Ein weiteres Projekt für die Zukunft ist E-Ticketing, schon sieben Prozent aller im vergangenem Jahr gekauften Einzel- und Tageskarten wurden über die HVV-App gekauft. Weiterhin gibt es den Verkauf über den Online-Shop die Fahrkarte zum selber ausdrucken. Neu eingeführt wird derzeit die HVV-Card – zunächst für Abonennten, ab August werden monatlich mehr als 40.000 Karten umgestellt. In Zukunft soll das Check-In Be-Out den schnellen Fahrkartenkauf ohne Tarifkenntnisse ermöglichen. Hierzu hat die Hamburger Hochbahn in ihrem Blog bereits einen Beitrag verfasst.

Auch ging es derzeit um die „S-Bahnprobleme“: Ein Großteil der Störungen wurde durch Personen im Gleis und Einsätze durch Polizei und Feuerwehr verursacht. Doch auch die Infrastruktur der DB Netz und vereinzelt auch die S-Bahn Hamburg durch viele Defekte an der Baureihe 472 sind an Ausfällen und Verspätungen im S-Bahnnetz schuld, was dadurch verstärkt, dass sich die Probleme über Verbindungsbahn und City-S-Bahn auf andere Linien übertragen. Die Baureihe 490 soll zumindest die Fahrzeugprobleme „ersetzen“ und eine höhere Leistung bieten.

Weiterhin gibt es einige langfristige Projekte, die Verlängerung von Schnellbahnlinien. Dazu gehören die U4-Verlängerung zu den Elbbrücken und zum Horner Geest, die S21 nach Kaltenkirchen, die S4 nach Bad Oldesloe und die U5 von Bramfeld zum Osdorfer Born.

Im Fahrplan gibt es immer wieder kleine Anpassungen, zuletzt auf einigen Buslinien im Süderelberaum, mehr Verbesserungen finden dann zum Fahrplanwechsel im Dezember statt. „Sie werden mit einer Erhöhung rechnen müssen!“, sagte HVV-Vorstand Lutz Aigner im Bezug auf die Fahrpreise, diese trete dann wie gewohnt zum Jahresbeginn auf, Grund sind weiterhin die steigenden Betriebskosten.

In der Frage nach der HVV-Gebietserweiterung in die Landkreise Cuxhaven, Rotenburg, Heidekreis und Uelzen im Schienenverkehr gibt es nun Hoffnung: Derzeit muss nur noch die Finanzierung geklärt werden, dann könnte ab Dezember 2018 der Gesamtbereich des Hamburger Verkehrsverbundes erweitert werden.

Zuletzt fiel die Frage nach der Anbindung der Elbphilharmonie: Hier hatte die Hamburger Hochbahn mit einer kreativen Kampagne auf die Anbindung aufmerksam gemacht. Während die U3 und die Fährlinie 72 gut angenommen werden, fahren mit der Buslinie 111, die vor und nach Konzerten zwischen Baumwall und Überseequartier im 5-Minutentakt verkehrt, kaum Fahrgäste.

Titelbild: Viele Fahrgäste am Hamburger Hauptbahnhof © Roman Berlin

2 Kommentare

  1. Da fehlen irgendwie Worte:

    „soll man künftig ein Fahrzeug an bestimmte Haltestellen können,“
    rufen, bestellen?!

    „fahren mit der vor und nach Konzerten zwischen Baumwall und Überseequartier im 5-Minutentakt verkehrt, kaum Fahrgäste“
    Buslininie?!

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