Hochbahn-Jahresbilanz: Mehr Umsatz und Digitalisierung

Die Hamburger Hochbahn hat ihren Unternehmensbericht für das vergangene Jahr vorgestellt. Die Zahlen sind überaus erfolgreich, so konnten Umsatz und die Zahl der Fahrgäste gesteigert werden. Da dennoch diese Einnahmen nicht ausreichen, um die Kosten zu decken – die Hamburger Hochbahn macht keinen Gewinn – wird der Verlust in Höhe von 50,9 Millionen Euro von der Stadt Hamburg getragen.

Der Umsatz lag im vergangenem Jahr bei 508,6 Millionen Euro, was eine Verbesserung um zehn Millionen Euro darstellt. Gleichzeitig stiegen die Fahrgastzahlen um 1,5 Prozent auf 444,1 Millionen Fahrgäste. Der Kostendeckungsgrad wurde damit von 89,6 auf 91,6 Prozent gesteigert.

Die Flotte wird modernisiert

Ab 2020 dürfen die Verkehrsbetriebe in Hamburg nur noch Busse mit innovativen Antrieben bestellen. Da diese noch nicht in Serie produziert werden, sind die Kosten derzeit noch sehr hoch. Deshalb ist die Hochbahn Partnerschaften mit der VHH und der Hauptstadt Berlin eingegangen. Der Initiative haben sich Verkehrsunternehmen aus weiteren Städten angeschlossen.

2018 soll der neue Betriebshof am Gleisdreieck eröffnet werden. Dieser verfügt über die notwendige Technik, um die beschafften Elektrobusse warten zu können. In dem neuen Betriebshof sollen 240 Busse beheimatet werden, der Bau kostet rund 70 Millionen Euro. Gleichzeitig werden alle anderen Betriebshöfe umgerüstet und der Standort am Mesterkamp in Barmbek geschlossen.

Aber auch die Flotte der U-Bahn gewinnt an Zuwachs: Insgesamt 15 Einheiten des DT5 wurden im vergangenem Jahr angeliefert. Auch die Planungen für die Nachfolgebaureihe DT6 haben begonnen. Diese wurden zunächst auf Eis gelegt, weil die Bestellmenge des DT5 erhöht wurde. Der DT6 soll automatisch ohne Fahrer verkehren und schon Anfang des kommenden Jahrzehnts zum Einsatz kommen. Bei der Ausstattung wird auf Ergebnisse von Zukunftsforschern zurückgegriffen, um ein langfristiges und zeitloses Design zu ermöglichen.

WLAN for future und die Digitalisierung

Im vergangenem Jahr startete unter dem Hashtag Nummer5lebt das Zeitalter des kostenlosen WLAN für Fahrgäste bei der Hamburger Hochbahn. An den Haltestellen Mönckebergstraße und Borgweg wurden zunächst testweise für ein halbes Jahr entsprechende Router installiert. Zusätzlich wurden auch sämtliche Busse für die MetroBus-Linie 5 mit der neuen Technik ausgestattet. Bis Ende 2018 sollen alle Busse und Haltestellen der Hamburger Hochbahn über die neue Technik verfügen.

Ein Projekt, von dem die Kunden nichts direkt spüren, ist das Predictive maintenance. Bei dem vorausschauenden Warten sollen Probleme an der Infrastruktur entdeckt werden, bevor sie zu Ausfällen führen. Damit sollen die Stillstandszeiten durch Defekte bei Rolltreppen, Aufzügen und Fahrzeugen reduziert und die Effizienz dadurch gesteigert werden.

Derzeit in Arbeit ist die sogenannte Platzampel: Diese soll an der Haltestelle anzeigen, wie voll jeder einzelne Wagen ist, noch bevor der Zug in die Haltestelle eingefahren ist. Dafür hatte sich eine Mehrheit der Nutzer in den sozialen Medien ausgesprochen. Technisch realisiert werden soll dies mit Sensoren, welche das Achsgewicht messen und daraus die Fahrgastzahl berechnen. Ein entsprechender Test soll noch in diesem Jahr an der Haltestelle Wandsbek Markt starten.

Horch: 2016 war ein echtes Erfolgsjahr für die Hochbahn

Vorstandsvorsitzender Henrik Falk fasst zusammen: „Das Ziel, die Fahrgastzahlen weiter zu steigern und noch mehr Menschen zum Umsteigen auf Busse und Bahnen zu bewegen, bleibe der entscheidende Hebel für eine mobile und lebenswerte Stadt und damit das dominierende strategische Ziel des Unternehmens.

Verkehrssenator Frank Horch zeigte sich von der Bilanz begeistert: „2016 war ein echtes Erfolgsjahr für die Hochbahn und damit auch für Hamburg – und das nicht nur mit einem hervorragenden Wirtschaftsergebnis. Wir konnten auch wichtige Weichen für die Zukunft stellen: Der U-Bahnnetzausbau und der barrierefreie Ausbau des bestehenden Systems schreiten planmäßig voran, die DT5-Flotte wächst stetig an und der Umstieg auf eine emissionsfreie Busflotte läuft. Das alles macht den Hamburger Nahverkehr noch attraktiver und wird noch mehr Menschen zum Umsteigen auf Busse und Bahnen bewegen.“

Investitionen in die Infrastruktur

Weiter voran schreitet der Barrierefreie Ausbau: Im vergangenem Jahr wurde dieser an den Haltestellen Klosterstern, Stephansplatz und Ohlstedt abgeschlossen. Das größte Projekt im vergangenem Jahr war der barrierefreie Ausbau in den Walddörfern, wofür der Großhansdorfer Zweig mehrere Monate gesperrt und in diesem Jahr abgeschlossen wurde.

Weiter im Bau befindet sich die U4 zu den Elbbrücken, welche im Dezember des kommenden Jahres eröffnet werden soll. Ziel ist ein „Glaspalast“ an der Elbe mit Übergang zur S-Bahn in Richtung Süden. Der Bauplan konnte eingehalten und das Budget sogar um mehrere Millionen Euro unterschritten werden. Am anderen Linienende wird derzeit ein Abzweig zum Horner Geest geplant. Auf der Linie U1 schreitet die Planung für die neue Haltestelle Oldenfelde weiter voran, noch in diesem Jahr soll mit dem Bau begonnen werden.

Das größte Infrastrukturprojekt der Hochbahn für die kommenden Jahrzehnte ist die Linie U5, welche von Bramfeld durch die Stadt zum Osdorfer Born verlaufen soll. Für den ersten Abschnitt von Bramfeld in die City Nord fanden im letzten Jahr mehrere Bürgerdialoge statt. Während die Einwohner von Bramfeld und Steilshoop schon lange auf die Schienenanbindung warten, stieß die U5 am Hartzloh auf großen Protest.

Veränderungen im Vorstand

Bereits im letzten Jahr löste Henrik Falk als Vorstandsvorsitzender den in seinen wohlverdienten Ruhestand getretenen Günther Elste ab. In diesem Jahr verlässt nun auch Ulrikel Riedel, Vorstand für Personal und Betrieb, die Hamburger Hochbahn. Ihre Nachfolgerin ist Claudia Güsken, welche zuvor bei Dataport gearbeitet hatte. Der Vertrag von Finanzvorstand Helmut König wurde unterdessen verlängert.

Hier können Sie sich den Unternehmensbericht und den Lagebericht herunterladen.

Titelbild: Teile des Jahresberichtes © Roman Berlin

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