Sozialverband kritisiert geplante Fahrpreiserhöhung

Der Sozialverband Deutschland e. V. In Hamburg kritisierte die geplante Fahrpreiserhöhung des Hamburger Verkehrsverbundes zum Jahreswechsel (Nahverkehr Aktuell berichtete). Die 2009 eingerichtete Sozialkarte sei für die Bedürfnisse von Bedürftigen nicht ausreichend. Unterdessen fordern die Hamburger Grünen auf Bezirksebene die Ausgabe der Sozialkarte auch an Ehrenamtliche.

Zum 1. Januar 2018 sollen die Fahrpreise im Hamburger Verkehrsverbund um durchschnittlich 1,2 Prozent steigen. Dies teilte der HVV am 4. Juli den Medien mit. Nicht steigen sollen die Preise für Kurzstrecken, im Nahbereich und für Kinder. Der HVV begründet die Preiserhöhung mit gestiegenen Ausgaben der Verkehrsunternehmen. Im Zuge der Berichterstattung kam es zur Verbreitung von Halb- und Unwahrheiten in den sozialen Medien, über welche wir hier berichteten.

Mobilität ist Teil der sozialen Teilhabe

Der Sozialverband fordert, die Mehreinnahmen durch zusätzliche Fahrgäste in die Stabilisierung von Fahrpreisen zu investieren. Zudem müsse die Politik mehr in den Nahverkehr investieren: „Insbesondere die Pendler und sozial Benachteiligten sind von den jährlichen Preissteigerungen oberhalb der Inflationsrate betroffen. Diese Menschen haben das Problem, ihre Fahrscheine und Abo-Karten für die alltäglichen Wege kaum noch finanzieren zu können“, sagt Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender des SoVD Hamburg.

„Funktion des ÖPNV ist nicht nur der Transport von A nach B, vielmehr soll er den Menschen Mobilität ermöglichen, denn Mobilität ist die zentrale Voraussetzung für soziale Teilhabe. Fahrten mit Bus und Bahn müssen für alle Hamburgerinnen und Hamburger ohne Einschränkungen bezahlbar sein. Und wir brauchen in Hamburg wieder ein richtiges kostenfreies Sozialticket“, fordert Wicher. Als ein geeignetes Modell sieht der Sozialverband das 2003 abgeschaffte Sozialticket. Die 2009 eingeführte Sozialkarte, welche einen Preisnachlass von etwa zwanzig Euro auf Zeitkarten bietet, sei ein nur unzureichender Ersatz.

Grüne fordern Sozialkarte für Ehrenamtliche

Unterdessen fordern Hamburgs Grüne unter anderem in der Bezirksversammlung Wandsbek eine Unterstützung von Ehrenamtlichen mit der Sozialkarte. Diese kann derzeit nur durch Empfänger von bestimmten Sozialleistungen beantragt werden. Für die Ausstellung dieser ist derzeit die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration zuständig.

In Hamburg gibt es derzeit etwas mehr als 500.000 Menschen, die ehrenamtlich tätig sind. Um diese in ihrem Engagement zu unterstützen, möchten die Grünen nun auch dieser Gruppe den Zugang zur Sozialkarte ermöglichen. Vorbild könnte Berlin sein, wo derzeit etwa 14.000 Einzelfahrscheine an Ehrenamtliche verteilt werden. Nun soll die BASFI prüfen, inwieweit eine Ausstellung finanziell möglich ist.

Titelbild: Ein Fahrkartenautomat an der Bushaltestelle am Dammtor © DT5 Online

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